Die Goldene Stadt im Untersberg 3 - читать онлайн бесплатно, автор Marcus E. Levski, ЛитПортал
Die Goldene Stadt im Untersberg 3
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Die Goldene Stadt im Untersberg 3

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Doch der Graf unterbrach mich in dem Augenblick und sagte: „Ihr müsst euch nicht genau hier und jetzt entscheiden. Ihr wisst nun von den Dimensionen, Parallelen und dem Land der Nibelungen sowie der schwarzen Sonne, die das Leben speist und noch vielen weiteren und mysteriöseren Dingen. Also geht jetzt aus der Grotte hinaus. Ich kann nicht weitergehen, denn das ist mir untersagt worden und ich muss mich an die Regeln halten. Ihr habt nun die Chance, Großes zu leisten. Ihr habt von mir die Werkzeuge und das Wissen dazu erhalten. Nun geht.“

Als Chalse seine kleine Ansprache beendet hatte, zeigte er uns den Ausgang aus der Grotte.

Wir gingen über abstrakte Steingebilde hinweg, wie ich sie schon einmal gesehen hatte. Nur eines fehlte: Wo waren die Zwerge, denen ich damals hier begegnet war? Warum hatte ich den Stein damals genau hier erhalten? Und warum war der Graf nun hier gealtert? Er sah völlig anders aus. Viele Fragen gingen mir durch den Kopf, auf die ich keine Antwort wusste.

Endlich standen wir in einem Tal, das ich ebenso kannte wie die Grotte. Nachdem ich mich kurz orientiert hatte, konnte ich einen Weg ausmachen, der sich mir zwischen den Steinen zu meiner Linken und der kleineren Wiese zu meiner Rechten eröffnete.

Wir waren gespannt, wo uns der Weg hinführen würde und folgten ihm, bis wir einen größeren Platz passierten und nach weiteren fünf Minuten vor einer kleinen Ruine ankamen, die neben einem Wald lag. Vor dieser Ruine saß ein Mönch auf einer Holzbank. Auch er kam mir bekannt vor.

Bei ihm angekommen, hob er seine rechte Hand und zeigte mir in der Ferne eine Brücke, die ich mit bloßem Auge gerade noch erkennen konnte und die ich ebenfalls schon kannte. Sie war nicht allzu weit weg, vielleicht fünf Minuten zu Fuß. Eine sehr schmale, aber lange Brücke. Ich sah den Mönch wieder an.

„Was ist das für eine Brücke? Wo führt sie hin?“

Der Mönch erklärte, dass dies die Brücke sei, die nach Simbola führte. Dann sah er den Professor an deutete ihm an, dass er über die Brücke gehen sollte. Claras war erstaunt und wollte wissen, warum er diesen Weg gehen sollte, doch der Mönch drängte ihn nur: „Nun gehe nach Simbola, mein Freund“, waren seine einzigen Worte.

Und Claras gehorchte. Er ging mit raschen Schritten und wie ihn Trance, ohne weiter nachzufragen über die Hängebrücke, die in einen grünen Nebel getaucht war, und verschwand. Ich blieb verwirrt bei dem ominösen Mönch zurück und wollte ebenfalls in Richtung der Brücke gehen. Aber als ich meinen ersten Schritt machte, um dem Professor zu folgen, hielt mich der Mönch am Arm zurück. „Stopp, Jürgen. Nein.“

Ich sah den Mönch fragend an. „Weshalb nicht? Was mache ich dann hier? Was hat das alles zu bedeuten? Warum nur der Professor? Wer bist du?“

„Jürgen, ich bin einer der neun Wächter vom Untersberg und von den Nibelungen. Wir waren es einst, die die Halle der Zeit am Untersberg bewachten und dort unser Werk vollbrachten.

Claras sollte vor der Entscheidung, die der Graf vorhin erwähnte, noch die andere Welt sehen. All das, was du gesehen hast. Nur so ist eine Weiterführung eurer Aufgaben möglich. Du kannst nicht über die Brücke. Der schwarz-violette Stein, den du erhalten hattest, ist verschwunden. Er wurde der Sonne, die das Leben speist, übergeben.“

Dann zeigte mir der Mönch, eine Türe in dieser Ruine und sagte mir, dass ich nun durch diese Türe gehen sollte und dass wir uns zu gegebener Zeit wiedersehen würden.

4. Die Goldene Stadt

Claras betrat am Ende der Brücke wieder festen Boden und konnte bei einem Blick zurück nur den Nebel sehen, der die Brücke verschlang, sodass deren Ende nicht zu erkennen war. Wie in Trance stapfte er weiter, bis der seltsame Zustand von ihm abfiel und er wieder ganz der Alte war.

„Verdammt, war ich auf Droge? Wie bin ich hierher gekommen?“, fluchte er. Nur vage konnte er sich an das Gespräch mit dem älteren Herrn in der Höhle erinnern. Da ihm nichts anderes übrig blieb und weil er auch neugierig war, wo er sich befand, ging er einfach immer weiter und betrachtete stumm die merkwürdige Landschaft, die sich um ihn herum ausbreitete.

Er befand sich in einer Art Sandwüste, in der es lediglich hier und da ein paar verdorrte Büsche gab. Auch der Himmel sah ganz anders aus, als er ihn kannte. Lebendiger. Farbenfroher. „So was habe ich noch nie gesehen“, schüttelte er ungläubig den Kopf. Er rätselte, wo er sich wohl befand, konnte aber die Landschaft mit nichts vergleichen, was er bisher gesehen hatte.

Nach einigen Minuten öffnete sich plötzlich vor ihm in einer Schlucht ein riesiges weites Tal. Vorsichtig trat er näher an den Abhang heran und ließ den Anblick auf sich wirken. Fassungslos starrte er auf die beinahe märchenhafte Landschaft. Ob er wohl in einer Art Matrix gefangen war? War diese Umgebung nichts als ein Hologramm?

Die Umgebung war einfach zu schön, um wahr zu sein. Er hatte keine Ahnung, wo er sich befand und worum es sich dabei handelte. Aber er nahm fremde Töne und Gerüche wahr und sah das zauberhafte Tal mit seinen Steinbauten. Der Professor ließ sich am Rande des Abgrunds nieder und versuchte, seine Gedanken zu sortieren.

All dies war so völlig anders als die Realität, die er kannte. Seine Gedanken und Gefühle waren hier und dort völlig gegensätzlich. Und die Welt, die er kannte, war alles andere als so vollkommen wie das, was er hier sah. Viele Gedanken über die letzten Tage und auch über sein vergangenes Leben kamen ihm in den Sinn. Es war, als würde er seine Vergangenheit Revue passieren lassen und noch einmal erleben.

„Das hier ist der Blick über den Tellerrand oder mein Hamsterrad hinaus, in dem ich bisher gefangen war. Das ist genau das, was ich jetzt gebraucht habe“, stellte er fest.

Claras versuchte, die beiden Welten, die er nun kannte, gedanklich miteinander zu verbinden. Dennoch war er ein Gefangener der Materie, der groben Manifestationen, die dem Erfindergeist der Menschen entstammten. Und dies wurde ihm in diesem Augenblick zum Verhängnis. Rückblickend musste er jetzt erkennen, dass dies der Grund und der Weg waren, die ihn aufgrund seiner Bestimmung und der Opfer, die er gebracht hatte, hierher geführt hatten.

Und das alles ausgerechnet in dem Augenblick, indem er sich dazu durchgerungen hatte, die Lehren der Freimaurer anzunehmen und in den Mysterien der Menschheit weiterzugehen, in dem Wissen um die Energie, die in allem vorhanden ist, das existierte.

„Das ist genau das Problem“, seufzte er. „Ich weiß zu viel, habe zu viel gesehen, kenne zu viele Geheimnisse und weiß über ganz fundamentale Dinge Bescheid, die anderen unbekannt sind.“

Und jetzt noch dieses neue Wissen, diese neue Welt. Das machte es für ihn nicht leichter, nein, eher im Gegenteil. Denn sein Leben war ihm schon lange zur Qual geworden. Er konnte einfach nicht aus seinem Hamsterrad der falschen Systeme und allerhand aufgezwungener Dinge ausbrechen.

War denn überhaupt ein Ausbruch möglich? Eine Flucht vor den von fremden Mächten geschürten Ängsten? Aber er konnte keine Antwort auf diese essenziellen Fragen finden, die er sich hier am Rand des Abgrundes selbst stellte. Zumindest im Moment konnte er keine naheliegende oder sinnvolle Lösung finden, die ihn aus diesem Dilemma herausführen würde. Er konnte im Augenblick den Weg nicht erkennen, der ihn weiterführen sollte.

Mit der rechten Hand nahm er eine Handvoll des Wüstenstaubes auf und ballte die Hand zur Faust. Dann ließ er den sandigen Staub zwischen den Fingern hindurch langsam wieder zu Boden rieseln.

„Sand und Staub. Materie, die in okkulten Kreisen dem Saturn zugeordnet wird“, sagte er zu sich selbst, bevor er sich wieder erhob und erneut das Tal vor seinen Augen betrachtete.

Dort lag eine glitzernde Stadt, die von grünen, riesigen Bäumen umgeben war. Darin befanden sich moderne, prächtige Bauten mit Glasfassaden, in denen sich das Licht einer unbekannten Sonne spiegelte. Der violette und grüne Abendhimmel im Hintergrund berauschte seine Augen.

Claras zückte sein 20-Euro-Fernrohr aus seiner Umhängetasche und sah sich die Stadt genauer an. Sie war nicht weit entfernt und es sah dort ähnlich aus, wie die Welt, die er kannte. Es waren auch Fahrzeuge zu erkennen, die allerdings in der Luft schwebten. Hören konnte er nichts. Es war alles sehr leise. Auch wenn in der Stadt ein großes Getümmel herrschte und sie sehr lebendig wirkte, war alles still.

Kein Brummen von Motoren, keine Nebengeräusche von Flugzeugen oder Zügen, selbst die Menschen waren still. Es gab keine Geräusche in der gesamten Umgebung und er sah nur die Vögel rege hin und her fliegen. Das und die Farbenpracht am Himmel fand er einfach atemberaubend und die Szene stellte für ihn einen Inbegriff der Vollkommenheit dar. Außerdem musste er zugeben, dass er sich hier sehr geborgen fühlte.

„Wo befinde ich mich hier bloß?“, fragte er sich und machte einen Schritt zurück vom Abgrund. Dabei fiel es ihm schlagartig wieder ein. Es war dieses Agartha, das er schon einmal erlebt hatte. Allerdings ein wenig anders und nicht so dunkel wie damals. Oder genau das Gegenteil. Zumindest war das Gefühl ähnlich wie damals in Agartha, oder auch das Reich der Nibelungen, wie es der Graf vorhin noch genannt hatte.

Er wusste es nicht genau, hatte jedoch das unbestimmte Gefühl, dass Agartha präsent war. „Ist jetzt die richtige Zeit dafür, diese Welt zu betreten?“, überlegte er ängstlich. „Will ich sie sehen? Will ich sie spüren?“ Jürgens Worte fielen ihm wieder ein: „Der Weg ist schmal und gefährlich“ hatte er ihm gesagt. Bei der Erinnerung daran war ihm klar, dass er nicht in die Stadt gehen konnte. Damit würde er sich nur selbst betrügen, sich seiner Lebensaufgabe verschließen und sich nie mehr um etwas anderes kümmern können.

Doch die Versuchung war groß. Er rang mit sich selbst, wollte unbedingt in die Stadt gehen, dort bleiben, die Geborgenheit spüren. Aber er wusste auch, dass er zu sehr an seiner Vergangenheit haftete. Seine Taten, seine Verluste, die Dunkelheit des Agarthas, das er damals gesehen hatte und die Macht, die er erhalten hatte – die aber nicht kostenlos gewesen war. In ihm tobte ein Kampf und er musste all seine Kraft aufbringen, um erst einen, dann einen zweiten und einen dritten Schritt vom Abgrund weg zu machen und endlich zu beschließen, dass er nicht in die Stadt gehen würde.

Kaum hatte er seine Entscheidung getroffen, stellte er fest, dass der Weg, den er gekommen war, plötzlich nicht mehr vorhanden war. Er war einfach verschwunden! „Verdammt nochmals, was ...?“ Hastig blickte er sich in der Gegend um und erkundete die Landschaft, die ihm plötzlich fremd erschien, jedoch jener ähnlich war, durch die er hierher gekommen war. Der Weg war weg und er stand vor sandigen Dünen mit Pflanzen, die er vorhin noch nicht gesehen hatte, die jedoch ebenso grün waren wie die Pflanzen, die zuvor die Landschaft geprägt hatten.

Er konnte nicht verstehen, warum der Weg verschwunden war und die Landschaft sich erneut verändert hatte. Die Gegend sah zwar ähnlich aus wie die, durch die er zuvor hierhergekommen war, aber sie war eben nur ähnlich und nicht identisch. Verunsichert ging er wieder an den Abgrund und betrachtete die Stadt, die unter ihm im Tal lag. Ob seine Entscheidung falsch gewesen war? Ob er sich mit seinem Rückzug geirrt hatte? Der Weg war jedenfalls verschwunden und die Landschaft hatte sich verändert. Wohin könnte er denn jetzt gehen? Er würde sich vermutlich hoffnungslos verirren.

Je länger er über eine Lösung nachdachte, desto mehr Angst bekam er. Welche Optionen blieben ihm denn schon? Schließlich begann er vor Aufregung sogar zu zittern und Schweiß stand auf seiner Stirn.

Dann fiel ihm der Graf ein. Er dachte an Jürgen und die Gespräche mit dem Grafen und seinem Sohn. Auch an die Geisterhöhle am Untersberg. Von dort wusste er ja: „Die Angst ist nicht real. Sie ist eine Entscheidung.“ Also versuchte er, diesen Satz zu beherzigen, ruhiger zu werden und sich mit geschlossenen Augen zu entspannen, was ihm nach einigen Minuten auch gelang.

Als er sich besser fühlte, öffnete er die Augen und ihm war klar, dass es für ihn nur einen Ausweg gab: Er musste ins Zentrum dieser Stadt. Als er sich besser fühlte, öffnete er die Augen und ihm war klar, dass es für ihn nur einen Ausweg gab: Er musste ins Zentrum dieser Stadt. Er hatte schon zu viel nachgedacht über seine Angst sowie seine Zweifel über genau diese Situation.

Kaum hatte er diesen Entschluss gefasst, sah er einen kleinen Trampelpfad, der am Abhang in die Tiefe führte. Mutig ging er darauf zu und folgte dem Pfad bergab. Es dauerte nicht länger als 30 Minuten, bis er das Tal erreicht hatte und noch einmal an die Stelle hochsehen konnte, von der er losgegangen war. Er atmete noch einmal tief durch, bevor er zielstrebig Richtung Stadt marschierte. „So, nun gehe ich in diese Stadt. Koste es, was es wolle!“

Ganz in Gedanken, was ihn wohl in der Stadt erwarten würde, bemerkte er nicht, dass er verfolgt und beobachtet wurde. Ein schmächtiger Mann in dunkler Kutte war dem Professor bereits gefolgt, seit er über die Brücke gegangen war. Der Verfolger hatte Narben im Gesicht und am Hals und einen gebückten Gang. Schleichend folgte er Claras und es schien, als ob er nur auf den richtigen Moment warten würde …

Er befand sich jetzt nur noch knapp 20 Meter hinter dem Professor und schnaufte schwer. Hinter einem Stein versteckt, beobachtete er, wie der Professor an einem Bachbett stehen blieb, und sich auf einen flachen Stein setzte, um sich auszuruhen. Hastig strich der Verfolger mit seinen rauen Händen Dreck und Schweiß von seiner tätowierten Stirn. Der Moment, auf den er gewartet hatte, war endlich gekommen.

Er zückte den rostigen Dolch und schlich sich lautlos an, kroch das letzte Stück hinter einem Busch vorbei. Sein Körper spannte sich an, als er hinter dem Busch hervorsprang und laut schreiend die letzten drei Schritte auf Claras zurannte. Mit erhobenem Dolch stürzte er sich krächzend auf den Professor, der sich vor Schreck zur Seite auf den Boden warf und geistesgegenwärtig einen Ast ergriff, der dort lag. Eine schwache Waffe, aber sie reichte aus, um den Angreifer zu überraschen.

Claras schlug den Ast gegen den Kopf des Angreifers, wo er zerbrach und der Feind ging zu Boden. Schnell schlug der Professor ihm zwei oder drei Fausthiebe ins Gesicht und setzte noch einen gezielten Schlag auf die bereits deformierte Nase. Das saß! Das Nasenbein des Kuttenträgers schob sich zu Seite und Blut schoss über Claras Faust und verteilte sich im Gesicht des Verfolgers. Rasch nahm der Professor dem verdutzten Angreifer den Dolch aus der Hand und drückte ihm diesen fest gegen die Kehle.

„Töte mich. Los töte mich“, lachte der Angreifer wie ein Verrückter los und starrte Claras aus seinen blutüberströmten Augen an.

„Du wolltest mich gerade erstechen, warum? Wer bist du?“, wollte der Professor wissen und war noch etwas außer Atem von der ungewohnten Kampfeinlage.

„Ich bin Azazel. Töte mich. Töte mich“, lachte der Verletzte hysterisch.

Claras konnte den üblen Kerl nicht einschätzen, aber er befand sich in einer fremden Welt und jemand wollte seinen Tod. Da durfte man nicht zimperlich sein. Also nahm er den Dolch von der Kehle des Fremden und stach ihn ihm in seine rechte Wade, damit er nicht mehr angreifen konnte.

Der Fremde ächzte vor Schmerz und lachte dann aber weiter. Währenddessen stand er vorsichtig auf und setzte sich neben den Professor auf den Stein. Dann tastete er vorsichtig an seiner zertrümmerten Nase herum. Der Professor konnte jedoch keine Rücksicht auf seinen Angreifer nehmen und bestürmte ihn mit seinen Fragen.

„Wer bist du? Was bist du? Warum wolltest du mich töten? Weißt du, wo wir sind?“

Der Mann mit der gebrochenen Nase sprach undeutlich, krächzend und stöhnend, aber immerhin antwortete er.

„Wir sind in der Dudael-Wüste vor Simbola. Der Stadt der Seligen. Im Portal des Nichts. Ich sagte schon, mein Name ist Azazel. Ich bin ein Nodens und ich bin der, dem die Sünden auferlegt worden sind. Ich bin der, der nichts passieren lässt.“

Claras sah sich um und konnte ihm nicht ganz folgen.

„Eine Wüste? Was ist mit dieser Stadt? Ist das Agartha? Von welchen Sünden sprichst du? Wen lässt du wohin passieren? Und was zum Teufel ist ein Nodens?“

Azazel starrte auf den Boden und murmelte einige wirre Sätze vor sich hin.

„So leer und so kahl. Warum nur und wann? Gehe den Weg am Rande des Baches entlang und zweige nicht ab nach rechts in Richtung Golgatha.“

„Was faselst du denn da? Kannst du das mal genauer erklären?“, brauste Claras auf.

„Die Zonen hier werden von den himmlischen Wesen regiert. Nur die Priester können die Tore durchschreiten, die an die Wüste der Leere grenzen. Gehst du durch, musst du durch das Wasser der Sphären. Bedenke, dass du ohne Wächter deinen Körper niemals wiederfinden wirst, wenn du aus dieser Dunkelheit zurückkehrst.“

Als Azazel den Satz beendet hatte, starrte er den Professor aus seinen schwarzen Augen plötzlich blutrünstig an, sodass dieser zurückzuckte. Der blutüberströmte Mann lachte wild, als er die Angst des Professors sah. Der Professor wich zwei Schritte zurück, als Azazel aufstand.

„Du Narr“, zischte er ihn an. „Nun geh endlich nach Simbola und erinnere dich an das Blut des Tempels. Wir werden uns wiedersehen.“

„Nun sag mir endlich, warum du mich töten wolltest!“, verlangte der Professor zu wissen.

„Geh den Weg, den ich dir erklärt habe, und weiche nicht davon ab. Denn wenn du abweichst und mir den Orgalez nicht zeigen kannst, werde ich zur Stelle sein und dir das allerdunkelste Reich zeigen, das es gibt. Und den Preis dafür werde ich dann ebenso von dir fordern!“

Azazel warf dem Professor noch einen bedrohlichen Blick zu und verschwand rasch hinter dem Gebüsch, von wo aus er zuvor den Angriff gestartet hatte. Der Professor war sich nicht ganz sicher, was Azazels Drohung zu bedeuten hatte. Er versuchte sich einen Reim auf das Gehörte zu machen, aber eigentlich verstand er nur Bahnhof.

Ein Mann, dem Sünden auferlegt worden sind? Dudael-Wüste? Ein dunkles Reich? Einen Preis fordern ohne den Orgalez? Das Blut des Tempels? Und was war dieses Golgatha?“, grübelte Professor Claras, kam aber zu keinem Ergebnis.

Weil er nicht wusste, was er sonst hätte tun sollen, beschloss er, das surreale Erlebnis zu verdrängen und schlug den von Azazel beschriebenen Weg entlang des Baches ein. Dabei erinnerte er sich an den Preis, den er damals hatte zahlen müssen, als er den schwarzen Stein aus Agartha mitgebracht hatte. Aus der Welt, die sie damals in Mexiko unter den Pyramiden zu Forschungszwecken betreten hatten.

„Ist das hier ähnlich wie damals?“, fragte er sich. „Ist dies eine Warnung, die ich aber damals nicht erhalten habe?“, fragte er sich. Nachdenklich ging er neben dem Bachbett entlang, bis er nach wenigen Minuten die Abzweigung sah, die nach rechts wegführte.

„Ist das die, die Azazel gemeint hat?“, überlegte er und ging probeweise einige Schritte nach rechts. Ein seltsames Gefühl ließ ihn innehalten. Er hatte den Eindruck, dass ihn jemand beobachtete.

„Ich glaube, ich werde paranoid“, schimpfte er mit sich selbst. „Ich fühle mich tatsächlich hier in der menschenleeren Gegend beobachtet. Oder sollte ich meinem Gefühl trauen und es als Warnung ansehen?“

Vorsichtshalber entschied er sich dafür, auf dem Weg am Bach entlang zu bleiben. Er hatte schon mehr als genug Probleme und konnte nicht noch weitere Schwierigkeiten brauchen. Obwohl er nervös war, folgte er dem Bach, genau wie Azazel es ihm aufgetragen hatte.

Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch durch Staub und Sand kam er an eine Brücke, die er zügig überquerte. Dann stand er vor einem goldenen Tor. Dem Eingang nach Simbola. Die Stadt der Seligen, wie der Mann sie genannt hatte. Als er langsam darauf zuging und für einen kurzen Moment innehielt, fasste ihn plötzlich eine Hand von hinten an die Schulter. Claras erschrak, drehte sich um und sah ein Lichtwesen.

Als das Wesen den Professor berührte, sah er Bilder, die keiner Antwort mehr bedurften. Er sah, dass er nur in diese Stadt gehen konnte, wenn er die Hürden bewältigen würde, die er eben vor seinem geistigen Auge gesehen hatte.

Claras erinnerte sich an die Aussage von Jürgen über die zu meisternden Hürden, um die Goldene Stadt im Untersberg zu passieren. Die von Jürgen damals beschrieben Hürden dienten ihm als „Zugangsberechtigung“ zur Goldenen Stadt:

1. Hürde – Die Innenschau. Hier wurde ihm gezeigt, dass es damit anfängt, nach innen zu sehen, um zu erkennen, wer man tatsächlich ist und was einen ausmacht.

2. Hürde – Sperre des Weges. Beim Erkennen der eigenen Identität und Aufgabe sowie den dunklen und hellen Seiten der einzelnen Persönlichkeit wird meist die dunkle Seite aufgerufen, um hervorzutreten und aufgelöst werden zu können. Hierbei sperrt man sich meist unbewusst vor der Heilung.

3. Hürde – Der Rückweg ins Bekannte. Bei der Spiegelung der einzelnen Themen aus den ersten beiden Hürden ist die Verlockung zu groß, den Rückweg anzutreten und nicht weiterzugehen in den Kampf der eigenen Schattenseiten.

4. Hürde – Altes loslassen und Liebe annehmen. Um neue Erkenntnisse annehmen zu können, bedarf es der Kunst, Altes loszulassen. Egal ob Wut, Groll, Trauer oder Schmerz in jeglicher Hinsicht.

5. Hürde – Rückschau in die Vergangenheit. Der Rückblick in die Vergangenheit nach dem Erlangen der fünften Stufe erweist sich oftmals als größte Herausforderung. Hier wird alles durchlebt und gefühlt, was ihr anderen und euch selbst angetan habt.

6. Hürde – Der Gipfelsieg. Habt ihr alle fünf Hürden gemeistert, könnt ihr nun all die Schattenseiten transformieren oder auflösen, sodass ihr neues Bewusstsein erlangt, für den Eintritt in die Goldene Stadt (deren Zweck ich in der Erklärung schon angegeben habe und auf den ich noch eingehen werde).

„War das das Geheimnis? War das die Lehre? Die orientalische Lehre der Abisheka, die ich bei den Freimaurern lernte? Waren das die Worte von Azazel?“, dachte er sich in jenem Augenblick. Im Zusammenhang mit seinem freimaurerischen Wissen wusste er, dass es die Schlüssel der Sefiroths waren, die ihm diesen Wesen eben zeigte, als es die Hand auf Claras Schultern legte.

„Wer bist du?“, fragte Claras mit demütiger Stimme. Das Wesen hob seine Hand und zeigte auf einen Himmel, der anders war, als ihn Claras kannte. Als Claras nach oben starrten, sah er plötzlich einen Lichtfunken, der immer größer wurde.

Plötzlich knallte es ohrenbetäubend und Claras wusste, was Azazel mit dem „Blut des Tempels“ gemeint hatte. Als das Lichtwesen ihn ansah, wusste er um die Vergangenheit eines tief erschütternden Rituals bei den Freimaurern …

Wut stieg in ihm empor und er krempelte sich das weiße Hemd über die Unterarme. Dann nahm er mit seiner linken Hand das Messer, das links von ihm auf dem Tisch lag, und setzte es an. Er starrte in die Kerzenflamme zu seiner Linken und wusste genau, was er jetzt zu tun hatte.

Seine Hände zitterten aus Angst und Respekt vor dem Unbekannten. Doch voller Wut und Euphorie, dem Zukünftigen nun entgegenzutreten, wurde das Messer immer tiefer in den Arm gedrückt. Blut kam noch keines, aber er fiel auf die Knie. Und er begann zu weinen, vergoss Tränen, die er so lange zurückgehalten hatte.

Dieser Schmerz, dieser Tod, dieses beinharte Schicksal, das ihm zuteilgeworden war. Die jahrelangen Kämpfe gegen genau diese eine Sache. Ohne Ausweg, ohne Licht in der Dunkelheit. Nur eine Chance, zu entkommen: Durch die Selbstgeißelung verbunden mit einem Dämon des Blutrituals, das er eben versuchte durchzuführen.

Jetzt war es soweit. Er wusste, wenn er das Messer jetzt noch ein bis zwei Millimeter tiefer drücken und das Messer nach links schieben würde, würde das Blut über seine Unterarme laufen und das Ritual wäre vollendet.

Zu den rhythmischen Hammerschlägen des Logenmeisters und der Aufseher, die bei diesem Ritual dabei waren, ließ er das Messer über den Arm gleiten, sodass der Lebenssaft aus seinem Unterarm herauspulsierte. Danach ließ er das Messer fallen und zerbrach an der Dunkelheit, die ihn hier genau an diesen Punkt gebracht hatte.

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